Wie wir die Welt und uns selbst begreifen

23.09.2019 -  

„Ich war schon immer von der Frage fasziniert, wie das Gehirn unsere Wahrnehmung der Welt und von uns selbst generiert“, sagt Professorin Dr. Elena Azañón. Sie ist Psychologin und Dorothea-Erxleben-Gastprofessorin an der Fakultät für Naturwissenschaften im Studienjahr 2018/19.

Prof. Dr. Elena Azanon
Prof. Dr. Elena Azañón (Foto: Jana Dünnhaupt)

 

Was im Kopf bleibt

Die gebürtige Spanierin, die Studium und Promotion in Barcelona jeweils mit Auszeichnung abgeschlossen hat, fand den Einstieg in die Wissenschaft in ihrem zweiten Studienjahr, als sie einer Professorin nicht nur als gute Studentin auffiel sondern auch als Probandin mit bemerkenswerten Schwierigkeiten in einem sprachpsychologischen Experiment. Sie konnte zwei gängige katalanische Laute vergleichbar mit /e/ und /ä/ im Deutschen nur mit Schwierigkeiten auseinanderhalten. „Aber das war alles andere als schlecht“, sagt Elena Azañón. „Das Experiment folgte nämlich der Idee, dass eine Unterscheidung von Lauten bereits in der frühen Kindheit erlernt wird, und zwar in Abhängigkeit der erlernten Sprache und ich habe Katalanisch als zweite Sprache erst relativ spät gelernt, etwa mit drei Jahren.“

Später entdeckte Elena Azañón ihre Begeisterung für ihr eigentliches Forschungsgebiet: den menschlichen Tastsinn. „Während meines Promotionsstudiums faszinierte mich die Schlüsselfunktion unseres Tastsinns zwischen Wahrnehmung der Welt und Wahrnehmung unseres Körpers. Ich will erforschen, wie das Gehirn diese Wahrnehmung der Welt und des Körpers generiert. Nach ihrer Promotion ging sie 2012 nach London und arbeitete mit einem Marie-Curie-Stipendium zwei Jahre am Institute of Cognitive Neuroscience des University College London. 2014 bis 2018 war sie Senior PostDoc am Birkbeck College der University of London.

 

Was am Körper passiert

Elena Azañón erforscht somatosensorische Wahrnehmung: „Wie nehmen wir Berührung wahr? Und noch wichtiger: Wie kombinieren wir die Information der Berührung mit anderen Sinneskanälen wie dem Sehen oder der Tiefensensibilität, die uns über die Stellung der Gliedmaßen informiert, um herauszufinden, wo sich ein Gegenstand im Raum befindet?“, erklärt Elena Azañón. „Wenn wir uns bewegen, ändert sich die relative Position unserer Körperteile zueinander wir schlagen zum Beispiel im Sitzen die Beine übereinander. Trotzdem haben wir keinerlei Schwierigkeiten, ohne hinzuschauen mit der Hand eine Fliege zu verscheuchen, die auf unserem Knie landet, egal, ob unsere Beine übereinander geschlagen sind oder nicht. Das ist möglich, weil unser Tastsinn und unsere Tiefensensibilität zusammenspielen, aber wie, das ist bisher kaum verstanden.“

Daneben interessiert sich Elena Azañón für menschliche Körperwahrnehmung. „Wie wir unseren eigenen Körper wahrnehmen hat tiefgreifende Bedeutung für unser Selbstbild, unser Selbstbewusstsein und unsere psychische Gesundheit. Aber auch jenseits von klinischen Krankheitsbildern haben wir oft eine verzerrte Wahrnehmung unseres eigenen Körpers, etwa seiner Dimensionen.“

 

Wo es schön ist

In Magdeburg arbeitet Prof. Dr. Elena Azañón an der OVGU und am Leibniz-Institut für Neurobiologie. Die Stadt gefällt ihr gut. „Ich war nicht sicher, dass Magdeburg zu mir passen würde. Ich war an Großstädte gewöhnt London und Barcelona“, erzählt die Spanierin. „Aber Magdeburg hat mich sehr positiv überrascht. In keiner Stadt konnte ich bisher in so kurzer Zeit so viele wissenschaftliche Kooperationen knüpfen wie in Magdeburg. Und als Mutter eines kleinen Kindes finde ich Magdeburg fantastisch. Grün mit großen Parks und außergewöhnlich schönen Spielplätzen. Man vermisst nicht die Dinge, die man in London hätte machen können, weil man anderes zu tun hat.“

Die Dorothea-Erxleben-Professur schätzt sie als wunderbare Gelegenheit, an ihrer Forschung zu arbeiten „als Professorin und Teil des äußerst lebhaften und interessanten neurowissenschaftlichen Standorts Magdeburg.“

 

von Julia Heundorf

 

Letzte Änderung: 10.12.2019 - Ansprechpartner: Webmaster